Im Islam bildet die Familie das Herzstück des gesellschaftlichen Lebens und steht im Zentrum des Glaubens. Sie ist nicht nur ein Ort des Zusammenhalts und der Fürsorge, sondern auch der Vermittlung islamischer Werte und Traditionen. Der Glaube durchzieht den Alltag und dient als Orientierung für Beziehungen, Erziehung und Verantwortung innerhalb der Familie. Respekt, Liebe und gegenseitige Unterstützung sind zentrale Prinzipien, die das familiäre Leben prägen und stärken. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle des Islams in der Familie und zeigt, wie der Glaube als verbindendes Element zwischen den Generationen wirkt.
Der Islam entstand im 7. Jahrhundert n. Chr. auf der arabischen Halbinsel. Die Offenbarungen, die der Prophet Mohammed (570–632) in Mekka und Medina empfing, bilden die Grundlage des Koran, des heiligen Buches des Islams. Mohammed wird von Muslimen als letzter und wichtigster Prophet Gottes (Allah) angesehen.
Nach Mohammeds Tod breitete sich der Islam rasch aus, zunächst in der arabischen Welt und später in Europa, Asien und Afrika. Die islamische Geschichte wurde von zwei Hauptströmungen geprägt: Sunniten und Schiiten, deren Trennung auf die Frage der Nachfolge Mohammeds zurückgeht.
Die islamische Zivilisation erlebte während des Mittelalters eine kulturelle und wissenschaftliche Blütezeit, die weite Teile der Welt beeinflusste. Heute ist der Islam mit etwa 1,9 Milliarden Anhängern die zweitgrößte Religion der Welt und wird in zahlreichen Ländern praktiziert, wobei er durch verschiedene kulturelle und rechtliche Traditionen geprägt ist.
Im Islam gibt es fünf Säulen, die als grundlegende Praktiken des Glaubens gelten:
Zu den wichtigsten Festen im Islam gehören:
In der Schweiz werden diese Feste sowohl in den Moscheen als auch in privaten Haushalten gefeiert. Dabei nehmen auch viele Nicht-Muslime an den Festen teil, um mehr über den Islam und seine Traditionen zu erfahren.
Muslimische Pilger aus der ganzen Welt verrichten den Tawaf und beten rund um die Kaaba während der Hadsch-Zeit
Der Islam ist in der Schweiz eine der größten religiösen Gemeinschaften, obwohl Muslime eine Minderheit bilden. Schätzungen zufolge leben in der Schweiz etwa 5-6% Muslime, was etwa 400.000 bis 500.000 Menschen entspricht. Der Großteil der Muslime in der Schweiz ist migrantischen Ursprungs, insbesondere aus Ländern wie Türkei, Kosovo, Albanien, Nordafrika, Syrien und dem Iran.
Die ersten Muslime kamen Anfang des 20. Jahrhunderts in die Schweiz, aber eine größere muslimische Gemeinschaft bildete sich nach dem Zweiten Weltkrieg, als Arbeitsmigration nach der Schweiz begann. In den 1960er und 1970er Jahren wuchs die Zahl der Muslime durch die Zuwanderung von Gastarbeitern aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei erheblich.
Heute ist der Islam fest in der Schweizer Gesellschaft etabliert, mit einer wachsenden Zahl von Moscheen, kulturellen und religiösen Zentren sowie verschiedenen Organisationen, die sich für die Integration und die Förderung des interreligiösen Dialogs einsetzen.
Die Integration des Islams in die Schweizer Gesellschaft verläuft jedoch nicht ohne Herausforderungen. Muslime in der Schweiz praktizieren ihren Glauben in Moscheen und Gebetshäusern, die in den größeren Städten und urbanen Zentren wie Zürich, Genf und Basel zu finden sind. Diese Moscheen dienen als religiöse und kulturelle Zentren, in denen nicht nur Gebete abgehalten werden, sondern auch Kurse, Sprachunterricht und kulturelle Veranstaltungen stattfinden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Integration ist die Bildung. In einigen Kantonen wird der Islam im Rahmen des Religionsunterrichts in Schulen behandelt. Einige Muslime nehmen an islamischen Religionskursen teil, die dazu beitragen, ihre Kinder mit den Grundlagen ihrer Religion vertraut zu machen.
Der interreligiöse Dialog ist in der Schweiz ebenfalls ein wichtiges Thema. Verschiedene religiöse Gemeinschaften, darunter auch Muslime, arbeiten zusammen, um gegenseitiges Verständnis und Respekt zu fördern. Muslime in der Schweiz sind aktiv in verschiedenen interreligiösen Initiativen, die den Austausch zwischen den Religionen fördern und Vorurteile abbauen sollen.
Die muslimische Gemeinschaft in der Schweiz wächst weiter, sowohl durch die Zuwanderung als auch durch die zunehmende Zahl von Konvertiten. Die Herausforderung wird darin bestehen, die religiöse Identität der Muslime mit den Werten der Schweizer Gesellschaft zu vereinbaren und gleichzeitig eine respektvolle und inklusive Gesellschaft zu fördern.
Muslime in der Schweiz müssen weiterhin ein Gleichgewicht finden zwischen der Bewahrung ihrer religiösen Identität und der Integration in eine zunehmend multikulturelle Gesellschaft. Dies wird durch Bildung, soziale Integration und den Dialog zwischen den Religionen unterstützt.
Moschee des Türkischen Kulturvereines Olten in Wangen bei Olten
In der Schweiz gibt es eine Vielzahl von Moscheen, die nicht nur religiöse Zentren für Muslime sind, sondern auch Orte des sozialen Austauschs und der kulturellen Begegnung. Die Moscheen spielen eine zentrale Rolle im Leben vieler Muslime, da sie als Gebetsstätten dienen, in denen die fünf täglichen Gebete (Salat) verrichtet werden, und gleichzeitig als kulturelle und soziale Treffpunkte.
Die Anzahl der Moscheen in der Schweiz ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen, vor allem aufgrund der wachsenden Zahl von Muslimen im Land. Laut Schätzungen gibt es in der Schweiz etwa 150 bis 160 Moscheen, wobei die meisten Moscheen in städtischen Zentren wie Zürich, Genf, Basel, Bern und Lausanne zu finden sind. Diese Städte haben große muslimische Gemeinschaften, die sowohl aus Migranten als auch aus Konvertiten bestehen.
Es gibt unterschiedliche Arten von Moscheen in der Schweiz, abhängig von der Zugehörigkeit der Gläubigen zu bestimmten islamischen Strömungen. Die Mehrheit der Moscheen gehören zum sunnitischen Zweig des Islams, aber es gibt auch schiitische Moscheen sowie Moscheen, die mit verschiedenen anderen muslimischen Gruppen verbunden sind, wie zum Beispiel die Ahmadiyya-Gemeinschaft.
Sunnitische Moscheen: Diese sind die am weitesten verbreiteten Moscheen in der Schweiz. Sie sind in der Regel von türkischen, bosnischen oder arabischen Muslimen betrieben und bieten regelmäßig die fünf Gebete an.
Schiitische Moscheen: Diese Moscheen sind seltener, aber sie existieren in verschiedenen Städten wie Zürich oder Genf. Sie dienen den schiitischen Muslimen, die vor allem aus dem Iran, dem Irak und Libanon stammen.
Ahmadiyya Moscheen: Die Ahmadiyya ist eine reformierte Bewegung im Islam, die als abweichend vom Mainstream-Islam betrachtet wird. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat betreibt mehrere Moscheen in der Schweiz, insbesondere in großen Städten wie Zürich und Lausanne.
Moscheen in der Schweiz haben neben der religiösen Funktion auch eine bedeutende soziale und kulturelle Rolle. Zu ihren Aufgaben gehören:
Gebet (Salat): Moscheen bieten eine regelmäßige Gebetsmöglichkeit für Muslime. Besonders wichtig ist das Freitagsgebet (Jumu'ah), das in vielen Moscheen mit einer Predigt verbunden ist.
Bildung: Viele Moscheen bieten islamische Unterrichtsprogramme an, insbesondere für Kinder, um sie mit den Lehren des Islams vertraut zu machen. Dies umfasst Themen wie den Koran, die Säulen des Islams und die islamische Geschichte.
Kulturelle Veranstaltungen: Moscheen veranstalten regelmäßig kulturelle und soziale Ereignisse, wie Ramadan-Feiern, Eid-Feste, interreligiöse Dialogveranstaltungen und Vorträge zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen.
Soziale Dienste: Viele Moscheen engagieren sich in der Wohltätigkeitsarbeit und bieten Hilfe für Bedürftige an. Dies kann in Form von Lebensmittelspenden, finanzieller Unterstützung oder Beratung für Migranten und Flüchtlinge erfolgen.
Integration: Einige Moscheen bieten Integrationsprogramme für neu eingewanderte Muslime an, um ihnen zu helfen, sich in die schweizerische Gesellschaft zu integrieren und die schweizerische Kultur und Sprache besser zu verstehen.
Einige der bekanntesten Moscheen in der Schweiz sind:
Die Große Moschee in Genf: Diese Moschee, auch als Mosquée de la Ville de Genève bekannt, wurde 1978 eröffnet und ist eine der größten und bekanntesten Moscheen in der Schweiz. Sie hat eine kulturelle und religiöse Bedeutung für die muslimische Gemeinschaft in der Region und dient als Symbol für die Integration des Islams in die Schweizer Gesellschaft.
Die Zentralmoschee Zürich: Die Zentralmoschee Zürich, die 1963 gegründet wurde, ist eines der ältesten islamischen Zentren in der Schweiz. Sie wird von der Türkischen Islamischen Gemeinde Schweiz betrieben und ist ein wichtiger Treffpunkt für die türkische und allgemeine sunnitische Gemeinschaft in Zürich.
Die Al-Nour-Moschee in Lausanne: Diese Moschee wurde 2015 eingeweiht und ist ein Beispiel für die wachsende Zahl neuer Moscheen in der Schweiz. Sie dient nicht nur als Gebetsort, sondern auch als kulturelles Zentrum.
Die Moschee in Winterthur (Türkisch-Islamische Union): Diese Moschee gehört zur Türkisch-Islamischen Union und ist ein weiteres Beispiel für die türkische muslimische Gemeinschaft in der Schweiz. Sie spielt eine wichtige Rolle in der religiösen und sozialen Organisation der Muslime in Winterthur.
Die Ahmadiyya-Moschee in Zürich: Diese Moschee gehört der Ahmadiyya-Gemeinschaft an und ist ein Zeichen für die Vielfalt innerhalb des Islams in der Schweiz. Die Ahmadiyya-Muslime sind besonders aktiv im interreligiösen Dialog und setzen sich für die Förderung von Frieden und Toleranz ein.
Trotz ihrer wachsenden Zahl und Bedeutung sehen sich Moscheen in der Schweiz mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert:
Öffentliche Wahrnehmung und Vorurteile: Moscheen werden in der Schweiz gelegentlich mit Vorurteilen und Misstrauen konfrontiert, insbesondere im Zusammenhang mit Ängsten vor Islamismus und Radikalisierung. Solche Ängste führen manchmal zu Kritik oder politischen Debatten, wie zum Beispiel bei der Volksabstimmung zum Minarettverbot im Jahr 2009.
Religiöse Symbolik: Der Bau von Minaretten und Kuppeln an Moscheen hat in der Schweiz immer wieder politische Diskussionen ausgelöst. Im Jahr 2009 wurde in einer Volksabstimmung ein Minarettverbot beschlossen, was als Symbol für die wachsende Ablehnung der öffentlichen Darstellung des Islams in der Schweiz wahrgenommen wurde.
Integration und Religionsfreiheit: Die Moscheen sind oft in den Integrationsprozess der muslimischen Gemeinschaft eingebunden. Gleichzeitig gibt es immer wieder politische Diskussionen darüber, wie der Islam und die Moscheen in die schweizerische Gesellschaft integriert werden können, ohne dass die Religionsfreiheit oder Kulturvielfalt gefährdet werden.
Moscheen in der Schweiz sind mehr als nur religiöse Orte – sie sind auch kulturelle und soziale Zentren, die eine wichtige Rolle im täglichen Leben vieler Muslime spielen. Sie bieten eine wichtige Plattform für den Austausch, die Bildung und die Interaktion mit der breiteren Gesellschaft. Während es Herausforderungen gibt, sind Moscheen in der Schweiz ein bedeutender Bestandteil der religiösen Vielfalt und tragen zur Integration der muslimischen Gemeinschaft in die Gesellschaft bei.
Fotos: Maliknalik / Sony_Herdiana / Wikipedia