Die Behandlung beinhaltet drei Ansätze:
Erzieherischer Ansatz: Veränderung der Lernmethoden
Psychologischer Ansatz: Durch eine Psychotherapie das Selbstvertrauen stärken und Verhaltensänderungen bewirken.
Medikamentöser Ansatz: Der Einsatz von Ritalin, ein Amphetamin, ist nicht unumstritten, obwohl vielen Kindern, zumindest kurzfristig betrachtet, geholfen wird. Leider können noch wenig Aussagen über Langzeitauswirkungen gemacht werden, da Kinder erst seit rund 10 Jahren damit behandelt werden. Es gibt auch grosse Unterschiede im Vergleich mit anderen Ländern bezüglich der medikamentösen Therapie. Da es sich um ein rezeptpflichtiges Medikament handelt, es untersteht dem Betäubungsmittelgesetz, bedarf es einer ärztlichen Verordnung. Die Dosis unterscheidet sich von Kind zu Kind.
Folgerungen
Das hyperaktive Kind ist ein KIND. Es hat das Recht, erfolgreich zu sein, sich zu entfalten und eine an sein Anderssein angepasste Erziehung zu erhalten, um sich zu verwirklichen. Aber es hat auch Schwächen und einen grossen Bedarf an Hilfe, denn oft leidet es unter seiner Situation. Es ist auch äusserst liebensbedürftig.
Die Erziehung eines solchen Kindes muss, wie für alle Kinder, einen Sinn und Zweck haben. Eine Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Therapeuten ist wichtig.
Ist die Hyperaktivität erbbedingt?
Bei den hyperaktiven Kindern, welche die Hauptkriterien aufweisen, zeigen 60% der Eltern die gleichen Symptome. Es gibt also einen genetischen, aber nicht erblichen Faktor. Es sind vielmehr neurobiologische Faktoren, die eine Rolle spielen.
Kommt Hyperaktivität in allen Kulturen vor?
Grundsätzlich ja. Indem man die Wechselwirkungen zwischen den neurobiologischen Faktoren und der Umwelt betrachtet, relativiert sich die Aussage, denn: Ein Kind, das viel in Bewegung ist, stört in städtischer Umgebung mehr, als auf dem Lande, wo es sich draussen entfalten kann.
Ist es eine Krankheit oder eine Unangepasstheit an die äusseren Zwänge?
Sicher ist, dass eine Gesellschaft, in der nur die Leistung zählt, dem Zustand von hyperaktiven Kindern nicht entgegen kommt. Diese haben Fähigkeiten, die sie nicht ausschöpfen können und somit von unserer Gesellschaft nicht akzeptiert werden.
Es ist wichtig, dass diese Kinder behandelt werden, denn sie leiden und lassen ihre Umgebung unter ihnen leiden.
Achtung: Verwechseln Sie das Kind nicht mit einem lebhaften Kind, das sich viel bewegt, aber weder leidet noch seine Familie beeinträchtigt.
Hängt die Hyperaktivität immer mit psychomotorischen Störungen zusammen?
30% der Kinder sind in der motorischen Entwicklung zurückgeblieben.
Es gibt verschiedene Behandlungsansätze:
Der psychomotorische Ansatz: die Psychomotorik ist sehr wirksam bei kleinen Kindern.
Ergotherapie, Tomatis(Audio-Psycho-Phonologie): dadurch erlernen sie, Handlungen und Abläufe zu planen.
Wie soll man vorgehen, wenn sich eine schnelle Behandlung aufdrängt?
Der Dialog mit den Lehrern ist wichtig. Diese Kinder werden häufig beim Schuleintritt erkannt. Die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Kinderarzt ist unumgänglich. Der Kinderarzt kann als Vermittler zwischen den Eltern und dem Lehrer, die beide am gleichen Strick ziehen sollten, dienen. Der Lehrer sollte informiert werden, wenn Ritalin verordnet wird, und es soll gemeinsam definiert werden, was man von der medikamentösen Behandlung erwartet. Das Medikament allein nützt nichts. Wenn das Kind unter Ritalin steht, ist es ruhiger und man kann Verhaltensmethoden entwickeln, um das Medikament baldmöglichst wieder abzusetzen.
Aber aufgepasst, dass die Kinder nicht abgestempelt werden: Kommunikationsprobleme und Ängste werden oft als Hyperaktivität abgetan, was nicht immer der Fall ist. Das Problem ist, dass es zurzeit keine effizienten Tests gibt. Man braucht demzufolge ein klinisches Gutachten, das allein im Kompetenzbereich des Kinderarztes liegt.
Was sind die Prognosen für das Erwachsenenalter, wenn die Kinder medikamentös behandelt werden?
Die Mehrheit der Kinder kommt ohne Medikamente aus. Etwa 20% der betroffenen Kinder nehmen Medikamente ein und werden sie auch als Erwachsene brauchen. Ritalin führt nicht zur Abhängigkeit, es hilft dem Kind, sein Ziel zu erreichen. Hingegen sind viele Drogenabhängige Hyperaktive, die nie erfasst wurden. Wenn sie früher behandelt worden wären, wären sie vielleicht nicht abhängig geworden.
Bei Jugendlichen ist Depression ein Hauptsymptom der Hyperaktivität.
Sind verschiedene Diäten eine Alternative zu den Medikamenten?
Man hat viel von Farbstoffen und Konservierungsmittel gesprochen. Es gibt aber keine Studien, die beweisen, dass sie eine Hyperaktivität verursachen. Hingegen können verschieden Diäten, verschiedene Methoden zuzuhören sowie Therapien das Verhalten des Kindes verbessern und Erleichterung bringen. Die Resultate unterscheiden sich von Familie zu Familie. Wenn die Methoden für eine Familie wirksam sind, können sie eine Alternative zu den Medikamenten sein.
Ritalin führt übrigens zu weniger Nebenwirkungen als Neuroleptika.